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Judo: Sieg durch den sanften Weg

Als Kaiser Wilhelm II. 1906 eine Aufführung japanischer Nahkämpfer sah, war er so begeistert, dass er die Ausbildung seiner Soldaten in dieser Kunst befahl. Zu Beginn seines Siegeszuges durch die europäischen Länder war Judo noch Jiu Jitsu, das heißt, alle Techniken, die heute im Judowettkampf fehlen, waren dabei. Diese Techniken werden teilweise nur in den höchsten Graden, den sogenannten Dans, gelehrt. Oder sie werden in Katas geübt, den langsamen, konzentrierten Abläufen, die von den Judokas zur Übung von Körper und Geist absolviert werden.

Um das Training von Körper und Geist geht es bei Judo hauptsächlich. Jigoro Kano (1860–1938) war der Pionier dieser Kampfsportart. Er lernte in seiner Heimat Japan verschiedene Schulen des traditionellen Jiu Jitsu kennen und gründete schließlich seine eigene Schule. Der "Grundsatz des Nachgebens" oder der "sanfte Weg", so nannte er seine Technik. Er schloss so die Gemeinsamkeiten der bekannten Kampfsportarten unter dem Begriff Judo zusammen: die grundlegende Philophie, mit minimalem Kraftaufwand maximale Wirkung zu erreichen.

Seither hat sich die Philosophie des Judo nicht geändert, nur die Prioritäten im Lehrsystem.

So geht es heute hauptsächlich um das körperliche Training und die Geisteshaltung und weniger um Selbstverteidigung.

Der Weg des Judo gliedert sich in die Hauptbereiche Würfe, Fall- und Bodentechniken. Bereits mit fünf Jahren können Kinder lernen, so zu fallen, dass Verletzungen verhindert werden, Geschicklichkeit und Fairness zu trainieren und ihr Gegenüber aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Dabei ist keine teure Judo-Ausrüstung nötig. Der Judoka trägt einen weißen Anzug, der aus einer Jacke, der Uwagi, einer knöchellangen Hose, Zubon genannt, sowie einem farbigen Gürtel besteht, dem Obi. Der Ausbildungsstand wird durch die Farbe des Gürtels sichtbar gemacht. Zu Beginn trägt der Schüler/die Schülerin einen weißen Obi, mit erfolgreicher erster Prüfung wird er durch einen gelben ersetzt. Die Schülergrade sind mit dem braunen Gürtel beendet, danach folgen die Meistergrade, die mit dem schwarzen Gürtel beginnen.

Heute ist Judo ein Breitensport und olympische Disziplin seit 1964. Mit mehr als 200 000 Mitgliedern ist der Deutsche Judobund der größte Kampfsportverband in Deutschland. In 2700 Vereinen trainieren Schülerinnen und Schüler ihre Techniken, bereiten sich auf Wettkämpfe oder auf Prüfungen vor.


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